Reisen zu Werther

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Werther

Кomponist: Jules Massenet

Lyrisches Drama in vier Akten
Libretto von Édouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann nach dem Roman „Die Leiden des jungen Werthers“ von Johann Wolfgang von Goethe.

 

INHALT

Ein kurzes Vorspiel leitet den I. Akt ein. DIe Szene spielt im Haus des verwitweten Amtmanns, der mit sechs seiner kleineren Kinder ein Weihnachtslied einstudiert. Er tadelt ihren Gesang mit dem Hinweis, dass Charlotte, die älteste Tochter, die die Mutterpflichten übernommen hat, es im Nebenzimmer hören könnte. Schmidt und Johann, die Freunde des Amtmanns, schauen herein und wundern sich, dass schon im Sommer ein Weihnachtslied probiert wird. Sie erinnern den Amtmann daran, dass er sie später zu einem geselligen Abend im Wirtshaus treffen soll. Sophie, Charlottes jüngere Schwester, kommt hinzu, und man spricht vom Ball, auf den Charlotte gehen wird, und von Werther, ihrem Tanzpartner, einem melancholischen jungen Mann, und von Albert, dem künftigen Ehemann Charlottes, der in Geschäften unterwegs ist. Unbemerkt tritt Werther auf und sinniert über die Sommerabend-Atmosphäre. Charlotte, für den Ball angekleidet, kommt, und da ihr Partner noch auf sich warten lässt, findet Sie Zeit, den Kindern ihr Abendbrot zu geben. So findet sie Werther, tiefbewegt von dieser Szene zufriedener Häuslichkeit. Zusammen mit anderen Ballgästen macht er sich mit Charlotte auf den Weg. Der Amtmann überlässt die Kinder der Obhut von Sophie und geht ins Wirtshaus; da taucht Albert, Charlottes Verlobter auf. Er ist überraschend früh zurückgekommen, verwundert, dass Charlotte abwesend ist, bittet aber, ihr nichts davon zu erzählen, um sie am nächsten Morgen zu überraschen.

 

Im Mondschein kehren Werther und Charlotte vom Ball zurück. Charlotte erinnert sich an ihre Mutter, und Werther gesteht ihr seine Liebe. Da ruft der Amtmann vom Hause her, Albert sei zurückgekommen. Der Zauber ist gebrochen, und als Werther von Charlotte erfährt, Albert sei der Mann, den Charlottes sterbende Mutter für ihre Tochter bestimmt habe, ist er verzweifelt.

 

Ein Sonntagnachmittag im September. Schmidt und Johann sitzen vor dem Wirtshaus und beobachten die Dorfbewohner, die in die Kirche gehen, um die goldene Hochzeit des Pfarrers zu feiern. Auch Charlotte und Albert, seit drei Monaten zufrieden verheiratet, sind unter ihnen. Werther beobachtet die Szene aus der Ferne; er beklagt bitter, dass er Charlotte verloren habe. Albert, der von der kurzen Begegnung vor drei Monaten weiß, zeigt Verständnis für Werthers Gefühle. Sophie unterbricht das Gespräch und fordert Werther zum Tanz auf, doch dieser sucht das Gespräch mit Charlotte und spricht zu ihr von seiner Liebe, doch sie weist ihn sanft ab und rät ihm, sie zu vergessen. Er solle den Ort verlassen und erst zu Weihnachten zurückkehren. Wieder allein, überlässt sich Werther seiner Verzweiflung und weist Sophie, die ihn zum Tanz holen will, brüsk zurück. Er verlässt sie mit der Bemerkung, er werde nie zurückkommen. Als sie dies dem jungvermählten Paar erzählt, erkennt Albert an der Reaktion von Charlotte, dass ihr Werther nicht gleichgültig ist.

 

Es ist Weihnachtsnachmittag. Im Salon von Alberts Haus denkt Charlotte an Werther und liest wieder und wieder seine Briefe, in denen er sie an gemeinsame Erlebnisse erinnert. Sie weiß, dass sie ihn trotz aller Bemühungen, ihn zu vergessen, ebenso liebt wie er sie. Sophie kommt und lädt sie ein, den Weihnachtsabend im hause des Vaters zu verbringen, kann sie aber nicht aus ihrer niedergeschlagenen Stimmung reissen. Charlotte ist hin und her gerissen zwischen einem übermächtigen Gefühl der Liebe zu Werther und ihrer Pflicht als Ehefrau Alberts. Plötzlich erscheint Werther selbst, bleich und verstört. Die Abwesenheit hat nichts an seinen Gefühlen geändert. Gemeinsam beschwören sie zärtliche Erinnerungen, an das Cembalo, an dem sie sangen, und an Bücher, die sie lasen, insbesondere die Balladen Ossians, die Werther für sie übersetzte. Doch Charlotte überwindet ihr Gefühl und weist Werthers heftige Werbung erneut zurück. Sie verlässt den Raum, und Werther entfernt sich ohne Hoffnung. Albert kehrt heim und ist verwirrt durch Charlottes offensichtliche Erregung. Als er zu erfahren sucht, was geschehen ist, tritt ein Diener auf und überreicht einen Brief Werthers, in dem dieser Albert, einer Reise wegen, um seine Pistolen bittet. Albert zwingt Charlotte, die Pistolen auszuhändigen, und als ihr der schreckliche Sinn des Briefes klar wird, stürzt sie aus dem Haus, um Werther zu finden.

 

Ein Zwischenspiel, das den IV. Akt mit dem vorausgehenden verbindet, kontrastiert den Weihnachtsfrieden mit der Tragödie Werthers. Charlotte kommt in Werthers Arbeitszimmer und findet ihn tödlich verwundet auf dem Fußboden liegen. Er bittet sie um Verzeihung, sie aber, von Reue gequält, klagt sich an. Werther verbietet ihr, Hilfe zu holen, die ohnehin zu spät komme – hier, in ihren Armen, will er sterben. Sie bekennt ihm ihre Liebe und erwidert seinen Kuss. Und während draußen die Kinder fröhlich ihr Weihnachtslied singen, muss Charlotte erkennen, dass der Mann, den sie liebt, tot ist.

 

 

(Quelle: Kloiber, Konold, Maschka: Handbuch der Oper)