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„Dalibor“

Кomponist: Bedřich Smetana

Oper in drei Akten
Text von Josef Wenzig
Uraufführung der ersten Fassung am 16. Mai 1868;
zweite Fassung am 2. Dezember 1870 im Neustädter Theater Prag
Deutsche Fassung von Kurt Honolka

 

ZUR OPER

Es war ein großer Feiertag. Das Bier floss in Strömen. Am 16. Mai 1868 wurde der Grundstein für das Prager tschechische Nationaltheater gelegt. 13 Jahre später, als die antiösterreichischen Demonstrationen ihren ersten Höhepunkt erreichten, wurde es mit Smetanas festlichem Singspiel Libusa eröffnet. Kurz darauf brannte das Theater ab. Am Freudentag von 1868 aber waren Zehntausende aus den böhmischen und mährischen Landesteilen angereist; viele von ihnen in alter volkstümlicher Kostümierung. Bedřich Smetana, der Sprecher der tschechischen Künstlerzunft, sagte in seiner Rede: „In der Musik ist das Leben der Tschechen“.  Am Neustädter Theater, das immerhin 4000 Besucher fasste, wurde an jenem Mai Abend sein durchaus als Nationaloper gedachtes Werk Dalibor, einziges tragisches Musikdrama aus seiner Feder, uraufgeführt.

 

INHALT

Die Geschichte eines spätmittelalterlichen tschechischen Ritters, der wegen Tyrannenmordes in einem Gefängnisturm der Prager Burg auf seine Exekution wartete und auf die Hilfe von Milada, einer ihn liebenden Frau, rechnen konnte, die ihn in Männerkleidern zu befreien versuchte, geriet aber keineswegs zum lang ersehnten Erfolgsstück. Im Gegenteil! Man bezichtigte den Komponisten der Deutschtümelei und schlimmer noch — nicht nur wegen Adaption der Leitmotivtechnik — des untschechischen Wagnerismus. Smetana, dessen Libretto ursprünglich in deutscher Sprache angelegt war, litt sehr an dieser Reaktion. Gleichwohl galt ihm bis zu seinem qualvollen Tod 1884 das großangelegte Bühnenwerk, sein Sorgenkind, als das geglückteste Stück seines Schaffens. Die dreiaktige, rhythmisch und harmonisch entschieden avancierte Oper, die stofflich sowohl Elemente der klassischen Befreiungsoper, aber durchaus, etwa in der anfänglichen Gerichtsszene, auch eine Nähe zum romantischen Lohengrin erkennen lässt, offenbart im Kern das einfache Gleichnis einer tragisch endenden Liebe: einer in der Kerkerfinsternis entflammten Leidenschaft vor dem Hintergrund der sich zum Schicksal aufbauschenden Politik. Ein wahrhaft unvergängliches, universelles Sujet.

Quelle: Oper-Frankfurt.de